Die Psyche des Bösen

Axel Petermann wird als ausgewiesener Fachmann seines Gebiets geschätzt und ist sowohl aus Fachliteratur als auch aus Fernsehformaten bekannt. Auch in diesem Buch geht er respektvoll, sachlich und mit großer Sorgfalt vor. Er widmet sich nicht nur einem bislang ungeklärten Fall erneut, sondern nimmt auch einen bereits abgeschlossenen Fall kritisch unter die Lupe.
Im Fall Carola Raabe untersucht er beispielsweise die mögliche Beteiligung der Stasi, kann diese Vermutung jedoch durch gründliche Recherchen widerlegen. Trotz neuer Erkenntnisse wurde die offizielle Suche nicht wieder aufgenommen – ein ernüchterndes Ergebnis.
Im Fall Sonja Hauser, in dem bereits ein Täter verurteilt wurde, beleuchtet Petermann das Geschehen erneut nüchtern und distanziert, obwohl Zweifel an der Schuld des Verurteilten bestanden. Besonders erschreckend erscheint dabei das Fehlverhalten eines Gerichtsmediziners.
Der dritte Fall widmet sich der Entwicklung des Täters Roger B., dem Petermann schon in dessen Kindheit begegnet war. Hier versucht er, die psychologischen Ursachen der späteren Verbrechen nachzuvollziehen, und führt dafür sogar Gespräche mit ihm im Gefängnis.
In allen Fällen führt Petermann Interviews, wertet Akten aus, besucht Tatorte und rekonstruiert die Abläufe. Seine Ergebnisse präsentiert er nachvollziehbar und offen. Gleichzeitig regt er dazu an, über Vorurteile, Neutralität und die Vielschichtigkeit der menschlichen Psyche nachzudenken.
Für alle, die sich für Kriminalistik interessieren, ist dieses Buch sehr empfehlenswert.